Geschichte der Klinik für Anästhesiologie

Die Geschichte des Institutes für Anaesthesiologie im Klinikum rechts der Isar reicht bis in das Gründungsjahr 1972 zurück. Zuvor war bereits auf Veranlassung des damaligen Direktors der Chirurgischen Klinik und späteren Gründungsdekans der fünf Jahre älteren Fakultät für Medizin der Technischen Universität München - Prof. Dr. Georg Maurer - am 1.1.1954 eine Anaesthesieabteilung eingerichtet worden. Mit der damaligen Leitung wurde die Fachärztin für Anaesthesiologie Dr. Charlotte Lehmann betraut. Der Tätigkeitsbereich dieser Abteilung bezog sich zunächst ausschließlich auf Narkosen innerhalb der Chirurgischen Klinik. In den folgenden Jahren wurden jedoch alle operativ tätigen Kliniken und Abteilungen des Klinikums in die anaesthesiologische Versorgung mit einbezogen. Gleichfalls wurde das Blutdepot des Klinikums von der Anaesthesieabteilung betreut.
1958 wurde dann eine Intensivtherapiestation unter anaesthesiologischer Leitung eröffnet. Verwaltungsmäßig blieb die Anaesthesie bis zum Jahre 1972 eine Abteilung der Chirurgischen Klinik.

Am 1. Juli 1972 erfolgte die Gründung des Lehrstuhls und Instituts für Anaesthesiologie der Technischen Universität München am Klinikum rechts der Isar. Erster Institutsdirektor und Ordinarius wurde Prof. Dr. Ernst Kolb, der den Ruf vom Lehrstuhl für Anaesthesiologie der Freien Universität Berlin an die Technische Universität München angenommen hatte. Dem Institut oblag die gesamte anaesthesiologische Versorgung des Klinikums rechts der Isar, für die zunächst 16 ärztliche Mitarbeiter zur Verfügung standen. 1979 wurde eine Schmerzambulanz eingerichtet, die zusammen mit der Neurologischen Klinik der Technischen Universität betrieben wird. 1986 kam eine Ambulanz für Eigenblutspende hinzu. Seit 1988 verfügt das Institut über eine spezielle Anaesthesieambulanz, die insbesondere der Prämedikation dient. Seit 1986 betreuen ärztliche Mitarbeiter weiterhin Therapieplätze für hyperbare Oxygenierung bei der Berufsfeuerwehr München und eines Vereins für hyperbare Oxygenierung.
Nach der Emeritierung von Prof. Dr. Ernst Kolb am 31.12.1991 wurde Lehrstuhl und Institut bis zum 28.2.1994 kommissarisch von Prof. Dr. Gunter Tempel, Extraordinarius am Institut für Anaesthesiologie geleitet.

Am 1. März 1994 wurde Prof. Dr. med. Dipl. Phys. Eberhard Kochs von der Universität Hamburg auf den Lehrstuhl für Anaesthesiologie berufen und zum Institutsdirektor ernannt.

Seit der fachlichen Verselbständigung der Anaesthesie im Klinikum rechts der Isar am 1. Januar 1954 wurden zunächst in der Abteilung für Anaesthesiologie und später im Institut für Anaesthesiologie bis heute über 500.000 Patienten anaesthesiert und weit über 10.000 Patienten intensivmedizinisch behandelt.
Aus der Abteilung bzw. dem Institut sind bisher insgesamt 200 Fachärzte für Anaesthesie hervorgegangen.

Nachdem schon seit Jahrzehnten eine spezielle Weiterbildung für Schwestern und Pfleger in Anaesthesie und Intensivmedizin durchgeführt worden war, wurde das Institut für Anaesthesiologie am 1. Januar 1980 als Weiterbildungsstätte für Schwestern und Pfleger in Anaesthesie und Intensivbehandlung von der Deutschen Krankenhausgesellschaft anerkannt. Insgesamt haben über 200 Pflegekräfte den Weiterbildungskurs erfolgreich absolviert.

Am 1.9.1999 wurde das Institut für Anaesthesiologie umbenannt in Klinik für Anaesthesiologie.

Die derzeitigen Forschungsschwerpunkte der Klinik für Anaesthesiologie sind klinisch und experimentell:

  • Narkosetiefenbestimmung mittels elektrophysiologischer Überwachungsverfahren
  • Quantifizierung des Analgesiegrades bei anaesthesierten und langzeitsedierten Patienten
  • Modulation der Nozizeption im gesamten sensorischen System durch Analgetika und Hypnotika
  • Untersuchungen zur zerebralen Hämodynamik (Ischämie, Neuroprotektion, Autoregulation, CO2-Reaktivität, Perfusion)
  • Septische Enzephalopathie
  • Organdurchblutung bei septischen Krankheitszuständen
  • Muskelrelaxantien (Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, Wechselwirkungen mit dem NO-System)
  • Patch-Clamp Untersuchungen zur Modulation von nACh- und GABA-Rezeptoren durch Anaesthetika
  • postoperative Schmerztherapie