Ein Jahr Sarkomzentrum rechts der Isar: Eine Erfolgsgeschichte

Ein Jahr Sarkomzentrum rechts der Isar: Eine Erfolgsgeschichte

Patienten mit seltenen Knochen- und Weichteiltumoren erhalten kompetente Hilfe

Die Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome am Klinikum rechts der Isar der TU München hat sich seit ihrer Gründung vor einem Jahr erfolgreich etabliert: Mehr als 160 Patienten mit den seltenen Krebserkrankungen wurden von den Experten des Sarkomzentrums behandelt oder erhielten eine medizinische Zweitmeinung.

Sarkome sind bösartige Tumore des Bewegungsapparates, die mit etwa 2000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland relativ selten auftreten. Sie sind biologisch und klinisch heterogen und schwer zu behandeln. Das interdisziplinäre Sarkomzentrum wurde im Juli 2010 mit Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung gegründet, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Ziel der Einrichtung ist es, die Diagnose und Therapie der bösartigen Tumore bei Patienten im Kindes- und Erwachsenenalter zu verbessern.

Bisher ist die Prognose nämlich insbesondere in fortgeschrittenen Stadien und bei Rückfällen sehr ungünstig. Im Erwachsenenalter sind Operation und Strahlentherapie die wichtigsten Therapiebestandteile, mit denen eine Heilung erzielt werden kann.
Im Kindes- und Jugendalter, wo Sarkome etwa 11 Prozent der bösartigen Tumore ausmachen, sind sie durch besonders aggressives Wachstum und frühe Metastasierung charakterisiert. Hier hat neben der Operation und Strahlenbehandlung auch die Chemotherapie einen hohen Stellenwert, um eine Heilung zu ermöglichen. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Kinderklinik können am Sarkomzentrum die erforderlichen speziellen Behandlungsstrukturen angeboten werden. Dabei arbeiten Kinderärzte, Radiologen, Orthopäden, Strahlentherapeuten, Chirurgen und Onkologen eng im Team zusammen, um die Therapieergebnisse zu verbessern.

Inzwischen wenden sich Patienten aus ganz Deutschland wegen eines Sarkoms oder unklarer Befunde an das Sarkomzentrum, um schnelle Klärung zu erhalten oder eine Zweitmeinung einzuholen. Orthopäden, Radiologen, Pathologen, Strahlentherapeuten, Kinderärzte und Onkologen besprechen in regelmäßigen Tumorkonferenzen die Diagnosen und leiten daraus Therapieempfehlungen ab. In einer interdisziplinären Sprechstunde stehen Ärzte verschiedener Fachrichtungen den Patienten gemeinsam zur Verfügung und erstellen gemeinsam einen Therapieplan, der die Expertise sämtlicher Disziplinen mit einbezieht.

Sehr gut angenommen wird auch die Teleradiologie-Station, über die niedergelassene Ärzte Kernspin- und CT-Aufnahmen schicken und als Serviceleistung die direkte und schnelle Beratung eines Expertenteams einholen können. Damit erhalten betroffene Patienten unabhängig von ihrem Wohnort eine adäquate Diagnostik und Therapie ohne zeitliche Verzögerung.

Die Ärzte am Klinikum rechts der Isar haben bereits langjährige Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Sarkomen. Prof. Hans Rechl aus der Klinik für Orthopädie ist der Koordinator der Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome: „Wir können hier am Klinikum auf eine Tumordatenbank von inzwischen über 3000 Patienten mit orthopädischen Tumoren zurückgreifen. Dies erleichtert es uns, für jeden Patienten die optimale Behandlung zu konzipieren und auch unsere Ergebnisse zu kontrollieren.“

Das Sarkomzentrum widmet sich in mehreren Projekten auch der weiteren Erforschung der seltenen Tumore und ihrer Behandlungsmethoden. Prof. Rechl: „Die Verbesserung der Früherkennung von Sarkomen wird in Zukunft ebenfalls Teil unserer Forschungsprojekte sein. Dazu gehört auch der Einsatz von neuen Untersuchungstechniken wie dem PET-MR, das uns eine noch präzisere Operationsplanung ermöglichen soll. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Betreuung der Patienten und ihrer Familien durch unsere Psychoonkologen. Wir haben hier ein psychoonkologisches Screening tumororthopädischer Patienten in die ärztliche Routine eingeführt, das in dieser Form deutschlandweit bislang einzigartig ist.“

Für Frühjahr 2012 ist ein interdisziplinäres Symposium zur Diagnose und Therapie von Knochen- und Weichteilsarkomen geplant, das sich an interessierte Ärzte aller Fachrichtungen wendet.

Zum Stand der Forschungsprojekte:

1) Ein Forschungsprojekt der Kinderklinik untersucht, wie die bisher bei Kindern notwendige hochdosierte Chemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation abgemildert werden kann. Im präklinischen Modell konnten die Forscher mit T-Zellen von gesunden Spendern Tumorzellen des Ewing-Sarkoms bekämpfen. T-Zellen sind eine Gruppe der weißen Blutkörperchen und gehören zum Abwehrsystem des Körpers. Wenn die Qualität der Zellen zur Bekämpfung des Tumorwachstums bestätigt ist, kann die Studie in die klinische Phase gehen.

2) Eine Studie der Klinik für Nuklearmedizin erforscht, inwiefern Sarkome in Abhängigkeit von der Dosis auf Chemotherapien ansprechen. Die bisher mit Zellkulturen durchgeführten Experimente zeigen bereits reproduzierbare Ergebnisse. Darüber hinaus sind erste präklinische Versuche zur molekularen Bildgebung mit PET-MR erfolgreich durchgeführt worden.

3) In der Strahlentherapie widmet sich ein Forschungsprojekt dem Nutzen einer hochpräzisen Strahlenbehandlung vor der Operation eines Weichteilsarkoms der Extremitäten. In der klinischen Studie PREMISS wird mittels Intensitäts-Modulation (IMRT) und täglicher bildgestützter Lagerungskontrolle (IGRT) die Dosisverteilung exakt dem Tumor angepasst. Gesamtdosis und Zielgebiet sind dabei kleiner, als bei Strahlentherapie nach einer Operation nötig wäre. Ausgewertet werden neben den Wundkomplikationen die Effektivität im Hinblick auf die Tumorheilung und der Erhalt an Funktion und Lebensqualität. Ab September können erste Patienten in die Studie eingeschlossen werden.

4) Ein Projekt der Orthopädie hat das Ziel, Tumoren mit computerassistierter Technologie präziser zu entfernen. Gleichzeitig soll eine erforderliche Prothese patientenspezifisch dreidimensional am Computer geplant werden. Die Navigation per Computer konnte als einer der ersten Planungsschritte bereits erfolgreich an anatomischen Präparaten durchgeführt werden.

 

Pressekontakt:
Eva Schuster
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22 . D-81675 München
Fon 089 . 4140 20 42
Fax 089 . 4140 49 29
Eva.Schuster(at)mri.tum.de

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