"Covid-19 wird nie Routine sein"

"Covid-19 wird nie Routine sein"

Africa Ruiz Carot ist seit 18 Monaten Intensivpflegerin am Klinikum rechts der Isar. Vom neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 wurde die gebürtige Spanierin überrascht, wie die meisten Menschen: Sie kam gerade aus dem Urlaub zurück, als die Pandemie in Deutschland begann.

Africa Ruiz Carot ist seit 18 Monaten Intensivpflegerin am Klinikum rechts der Isar

Africa Ruiz Carot ist seit 18 Monaten Intensivpflegerin am Klinikum rechts der Isar

Fotos: Argum

Frau Ruiz Carot, was war die größte Veränderung durch die Corona-Pandemie?

Africa Ruiz Carot: Mich traf das alles aus heiterem Himmel: aus dem Urlaub, rein in die Pandemie. Selbst für mich als Intensivpflegerin war das eine Umstellung. Allein die Schutzkleidung: Kittel, Doppelhandschuhe, FFB2-Maske, Brille, Kopfbedeckung – das erfordert Übung beim Anziehen. Außerdem fühlte sich die Situation so fremd an, täglich kamen neue Informationen. Das macht nervös, man will ja alles richtig machen. Mittlerweile fühle ich mich sicher, reine Routine wird es aber wohl nie.

Welchen Moment möchten Sie nicht noch einmal erleben?

Africa Ruiz Carot: Den ersten Dienst im Covid-Bereich. Ich war bei einer sehr jungen Patientin, die intubiert werden musste. Sie war noch wach und hatte Angst. Auch mir war nicht wohl in meiner Haut: Die Schutzbrille drückte und ich schwitzte wahnsinnig unter der Schutzkleidung. Doch ich wollte, dass sie sich aufgehoben fühlt. Ich sprach ihr gut zu und hoffte, alles richtig zu machen.

Gibt es auch schöne Momente?

Africa Ruiz Carot: Viele sogar. Jedes Mal, wenn ein Patient nicht mehr künstlich beatmet werden muss. Manche sind dann schon ansprechbar und freuen sich. Als es der jungen Covid-Patientin besser ging, meinte sie, dass sie mein Gesicht nicht erkenne, aber meine Stimme sei ihr vertraut. Wir sprechen ja immer mit den Patienten, auch wenn sie bewusstlos sind. Das war ein echter Glücksmoment!

Wie ging es Ihnen beim Anblick der Bilder aus den Krankenhäusern in Madrid?

Africa Ruiz Carot: Ich war in großer Sorge. Vor allem seit ich wusste, dass sich mein Bruder – er ist ebenfalls Intensivpfleger – freiwillig als Helfer in Madrid gemeldet hatte. Zum Glück war es in Murcia, wo meine Familie lebt, eher ruhig. Keiner meiner Angehörigen und Freunde ist erkrankt.

Wie leben Sie privat mit dem neuen Coronavirus?

Africa Ruiz Carot: Ich bin voller Respekt. Ich erlebe ja, dass das Virus jeden treffen kann: junge Menschen genauso wie alte, Menschen mit Vorerkrankung, aber auch sehr gesunde. Der Alltag ist jetzt etwas mühseliger, weil viele Dinge nicht spontan möglich sind. Das vermisse ich. Und natürlich möchte ich meine Familie in Spanien bald wieder sehen.

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