Schlafmedizin: Chirurgische Verfahren immer wichtiger

07.04.18

Schlafmedizin: Chirurgische Verfahren immer wichtiger

Die Fachwelt der Schlafmedizin trifft sich im Klinikum rechts der Isar. Rund 600 Fachärzte erörtern neueste Diagnostik- und Therapieverfahren bei schlafbezogenen Atemstörungen.

Schnarchen ist nicht nur nervtötend für Mitmenschen, in vielen Fällen ist es vielmehr Ausdruck einer heiklen Erkrankung – der obstruktiven Schlafapnoe. Die nächtlichen Atemaussetzer steigern das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Studien deuten darauf hin, dass bis zu 40 Prozent aller Männer solche Atemstörungen haben. Auch etwa jede dritte Frau könnte demnach betroffen sein. Die Therapie hat sich bisher vor allem auf die Atemmaske gestützt. Doch immer öfter bewähren sich chirurgische Neurostimulationsverfahren. Sie sind eines der zentralen Themen auf der Jahrestagung der „International Surgical Sleep Society“ (ISSS).

Fachärzte aus aller Welt diskutieren am Klinikum rechts der Isar vom 5. bis 7. April über neue Behandlungsmethoden bei schafbezogenen Atemstörungen. „Für uns ist es eine große Ehre, die bedeutendste wissenschaftliche Tagung auf diesem Gebiet ausrichten zu dürfen“, sagt Dr. Clemens Heiser von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde. Dies zumal, da die Veranstaltung zum ersten Mal in Deutschland stattfindet.

Ein Höhepunkt ist die Implantation eines Zungenschrittmachers, der Eingriff wird live in 3D übertragen. Das Verfahren gilt mittlerweile als wichtigste chirurgische Alternative in der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe. „Die Stimulationselektrode muss äußerst genau an den Nervenfasern platziert werden, die für die Steuerung der oberen Atemwege verantwortlich sind“, erklärt Heiser. Der Münchner Oberarzt gehört auf dem Gebiet der Neurostimulation zu den Forschern der ersten Stunde.

An mehr als einem Dutzend Kliniken in Deutschland wird dieses Therapieverfahren inzwischen angeboten, gut 500 Patienten sind erfolgreich behandelt worden. Weltweit hat die Neurostimulation bereits einigen Tausend Menschen geholfen. Internationale Untersuchungen belegen, dass Patienten die Behandlung gut vertragen. Bald könnten auch weitere chirurgische Verfahren zum Einsatz kommen. „Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Ansätze, auch noch andere Nerven zur Öffnung der Atemwege zu stimulieren“, sagt Heiser.

Wichtiges Thema auf der Jahrestagung ist zudem die Diagnostik der obstruktiven Schlafapnoe. Zu den noch jungen Errungenschaften der Schlafforschung zählt etwa das PAT-Messverfahren. Mittels „Peripherer Arterieller Tonometrie“ lassen sich Schnarchintensität, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt des Blutes und andere Parameter aufzeichnen. Patienten erhalten dazu einen Fingersensor, den sie zu Hause anlegen können. Nächte in Schlaflabors bleiben ihnen so erspart. 

Im Fokus der ISSS-Experten steht darüber hinaus die Schnarchgeräuschanalyse. Fortschritte versprechen sie sich nicht zuletzt von neuen E-Health-Lösungen wie Apps.

„In Zukunft wird man wesentlich genauer hinschauen, welcher Patient für welche Therapie geeignet ist“, sagt Heiser.

Einer der Gastgeber der Jahrestagung der "International Surgical Sleep Society“: Dr. Clemens Heiser von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde.

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