Seelsorge im Klinikum während der Coronakrise

Seelsorge im Klinikum während der Coronakrise

Sechs hauptamtliche Seelsorger*innen arbeiten am Klinikum rechts der Isar. Für Corona-Patient*innen gehören sie – neben den Ärzt*innen und Pflegenden – derzeit zu den wenigen persönlichen Ansprechpartnern. Ein Gespräch mit Pfarrer Thomas Kammerer, dem seelsorgerischen Leiter (rk), und Bertram Linsenmeyer, Theologe (ev.), über eine besondere Situation.

 

Thomas Kammerer (li.) ist katholischer Pfarrer und seelsorgerischer Leiter am Klinikum rechts der Isar, Bertram Linsenmeyer ist evangelischer Theologe am MRI

Thomas Kammerer (li.) ist katholischer Pfarrer und seelsorgerischer Leiter am Klinikum rechts der Isar, Bertram Linsenmeyer ist evangelischer Theologe am MRI

Herr Linsenmeyer, Sie haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Covid-19-Erkrankte betreut. Haben sie besondere Bedürfnisse?

Bertram Linsenmeyer: Corona-Patient*innen leiden hauptsächlich darunter, dass sie Angehörige und Freunde wegen des Kontaktverbots nicht sehen dürfen. Ansonsten haben sie die gleichen Fragen wie andere Patient*innen: Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben? Komme ich wieder zu Kräften etc. Und vor allem wollen sie als Mensch wahrgenommen und nicht in die Schublade Corona einsortiert werden.

Herr Kammerer, wie leisten Sie und Ihr Team seelsorgerische Hilfe?

Thomas Kammerer: „Raum haben, Hoffnung schöpfen, Wege geben“ –so haben wir das für uns formuliert. Wir helfen, indem wir zuhören, der Patient gibt die Richtung vor. Im Verlauf des Erzählens merkt er von allein, was ihm am Herzen liegt.

Wegen des Kontaktverbots sind Sie als Ansprechpartner bei Patienten vermutlich recht gefragt?

Bertram Linsenmeyer: Das stimmt. Uns erlebt man wenigstens live! Selbst Patienten, die gut mit digitalen Medien umgehen können, vermissen die direkte menschliche Zuwendung. Auch wenn die Schutzkleidung eine gewisse Distanz schafft, der Qualität der Gespräche tut das keinen Abbruch.

Wie steht es um die Angehörigen?

Thomas Kammerer: Die leiden unter dem Kontaktverbot vielleicht noch stärker als die Patient*innen. Der geliebte Mensch ist aus dem Blickfeld verschwunden, sie können nichts für ihn tun. Das erzeugt Verunsicherung, Ohnmacht. Es ist deshalb unser Angebot, dass wir mit den Angehörigen von Intensivpatienten, die nicht selbst telefonieren können, Kontakt halten. Für diese ist es beruhigend zu wissen, dass es uns gibt und sie jederzeit auf uns zugehen können.

Was ist für ein Krankenhaus in einer so schwierigen Phase wichtig?

Thomas Kammerer: Gute Vorbereitung, und die hatten wir. Unsere Gremien und Strukturen für Krisenfälle sind rasch ins Laufen gekommen. Die Mitarbeiter haben sich schnell zusammengefunden und Dinge hochgezogen, wie man das vorher nicht für möglich gehalten hätte. Unser Haus hat mit Bedacht und Vernunft gehandelt. Kritisch war nur die Frage, ob für alle genug Schutzkleidung vorhanden ist. Der gesamte Apparat gibt sein Bestes – inklusive der zahlreichen Putzkräfte, Logistiker und Laborant*innen, die leider nicht so viel öffentliche Anerkennung erfahren! Ihnen allen gilt auch unser Dank.

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