Tumortherapie: Neue Wirkstoffe gegen „KRAS“

29.05.18

Tumortherapie: Neue Wirkstoffe gegen „KRAS“

Eine Studie zeigt, dass das Protein SHP2 essentiell für die Bildung sogenannter KRAS-Tumoren ist. SHP2-Hemmstoffe könnten ein probates Mittel gegen aggressive, schwer therapierbare Krebsarten sein.

Die Protein-Tyrosin-Phosphatase (SHP2) ist ein potenzieller Angriffspunkt im Kampf gegen Tumoren wie Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs. Das haben Wissenschaftler um Professor Hana Algül, Leiter der Gastrointestinalen Onkologie der Medizinischen Klinik II, jetzt unter anderem an Mäusen aufgezeigt. Sie entfernten Tieren mit fehlerhaftem „Kirsten Rat Sarcoma“ (KRAS) zusätzlich SHP2. Ergebnis: Es bildeten sich keine Tumoren mehr.

„Man glaubte bisher, dass die KRAS-Mutation so starke Auswirkungen hat, dass Angriffe an anderen Stellen folgenlos bleiben würden.“ erklärt Algül. Hintergrund: Das KRAS-Protein spielt für die Zellteilung eine Rolle, es ist in gesunden Zellen aktiv und so wichtig, dass es sich therapeutisch nicht einfach ausschalten lässt. Mutation führt dazu, dass sich Zellen unkontrolliert teilen und Tumoren entstehen.

Das Ergebnis der Forscher der Technischen Universität München bestätigte sich, als sie Mäuse mit einem SHP2-Inhibitor behandelten. Tumoren wuchsen unter Einsatz des Hemmstoffs langsamer und konnten besser kontrolliert werden.

Wirkstoffkombination gegen resistenten Krebszellen

Der neue Anti-Krebswirkstoff könnte noch ein weiteres Problem bei der Therapie von KRAS-Tumoren lösen. Wie die Untersuchungen zeigen, macht der SHP2-Inhibitor Krebszellen wieder zugänglich für sogenannte MEK-Inhibitoren, die wirkungslos geworden sind. MEK-Inhibitoren werden seit längerem zur Therapie verwendet. „Sie sind zwar wirkungsvoll, „erzeugen aber bei vielen Patienten schon nach kurzer Zeit resistente Krebszellen“, erklärt Katrin Ciecielski, Mitautorin der Studie.  In der Kombination beider Wirkstoffe sehen die Forscher eine neue Therapiemöglichkeit bei resistenten Tumoren.

Noch nicht Gegenstand klinischer Studien

„Wir zeigen, dass diese neue Wirkstoffklasse sowohl alleine als auch kombiniert Erkrankten künftig helfen könnte. Für viele Patienten kann das lebensverlängernd sein “, betont Algül. Er empfiehlt daher, Patienten mit aggressiven KRAS-Tumoren in die laufenden klinischen Studien aufzunehmen. Gemeinsam mit seinem Team will er bald die Erkenntnisse in eine eigene klinische Studie einbringen.

Kathrin Ciecielski and Professor Hana Algül sehen neue Chance in der Therapie aggressiver Krebsarten. (Foto: Heddergott / TUM)

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